Hilfe für Pakistan

Pakistan braucht Ihre Hilfe!

Der Generalsekretär der Vereinigten Nationen Ban Ki Moon persönlich rief dazu auf, den Menschen in Pakistan, die derzeit unter den Folgen der Flutkatastrophe leiden, die Hilfe nicht zu versagen. Er hatte sich bei einem Besuch vor Ort einen Überblick über die Lage in Pakistan gemacht. Laut “Spiegel online” habe er schon viele Katastrophen gesehen, diese hier aber übertreffe alle. Die Hilfsaktionen laufen nur zögerlich an, dabei bräuchten die Menschen dringen und sofort internationale Unterstützung. Erst ein Viertel der als Soforthilfe benötigten 459 Millionen Dollar sind in Pakistan angekommen. Auch die deutschen Hilfsorganisationen klagen über eine eher spärliche Spendenbereitschaft der Deutschen. Zwar rufen Fernseh- und Radiosender immer wieder zu Spendenaktionen auf, große Galas, wie sie sonst üblich sind, sind allerdings bislang unterblieben. Und das liegt nicht allein daran, dass wir auch im eigenen Land mit Überschwemmungen zu kämpfen haben, wie derzeit in Sachsen. Es wird vermutet, dass viele Menschen befürchten, ihre Spenden könnten im Dschungel der Korruption versinken oder den Taliban zu Gute kommen. Das Negativimage des Landes sitzt tief in den Köpfen der Menschen fest und der 11. September hat nicht nur die Amerikaner in Angst und Schrecken versetzt. Die Taliban allerdings dürften nicht daran interessiert sein, das Land aus der Krise zu führen. Ein destabilisiertes Pakistan kommt ihren Interessen weit mehr entgegen.

Wie aber sieht es wirklich aus in dem Land, das im Moment unter einer gewaltigen Flutmasse zu versinken droht?

Pakistan liegt in Südasien zwischen dem Iran, Afghanistan, China und Indien. In dem Vielvölkerstaat, in dem mehr als 50 Sprachen gesprochen werden, kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen, vor allem zwischen Schiiten und Sunniten. Einige der Islamistengruppen entziehen sich immer mehr dem Einfluss aus Islamabad und die Bergregion Waziristan gilt als Rückzugsgebiet der Taliban. Die soziale Lage ist auch schon ohne die Auswirkungen der Flutkatastrophe kritisch. Eine hohe Dunkelziffer der Arbeitslosigkeit, Armut, Kinderarbeit und Landflucht sind die auch in Pakistan typischen Probleme eines Entwicklungslandes. Auch die Situation im Gesundheitswesen ist von Idealzuständen noch weit entfernt. Die Wirtschaft befindet sich in einem desolaten Zustand. Pakistan gehört zu den ärmsten Ländern Asiens.

Und nun auch noch eine Flut, die durch tagelangen Monsunregen in den Monaten Juli und August ausgelöst wurde. Es regnet immer noch anhaltend und die Monsunzeit ist in Pakistan noch lange nicht vorbei. Besonders betroffen ist die Region Punjab. Zwar führt der Hauptfluss von Pakistan, der Indus, nicht mehr so viel Wasser, dennoch kann von einer Entspannung der Situation nicht gesprochen werden. Die Hauptgefahr geht vom Dauerregen aus, so dass weitere Überschwemmungen nicht ausgeschlossen sind.
Derzeit ist etwa ein Fünftel von Pakistan überschwemmt, was in etwa der Hälfte der Territoriums Deutschlands entspricht. In weiten Teilen gleicht Pakistan einer Seenlandschaft. Ganze Dörfer wurden von den Wassermassen vernichtet. Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde von Pakistan sind bereits fast 1.500 Todesopfer zu beklagen und es gibt mehr als 2.000 Verletzte. Etwa 20 Millionen Menschen sind derzeit direkt betroffen und haben Unterkunft und ihr Hab und Gut verloren. Darunter befinden sich allein 5 Millionen Kinder. Die Menschen besitzen nicht mehr als die Kleider, die sie auf dem Leib tragen. Aus Angst vor Plünderungen und in dem Bestreben, die wenigen Habseligkeiten zu retten, die ihnen geblieben sind, verlassen viele Männer ihre Dörfer nicht. Ihre Frauen und Kinder warten in Notunterkünfte derzeit auf bessere Nachrichten und vor allem auf Hilfe. Es fehlt an Lebensmitteln, frischem Wasser, an Medikamenten – eigentlich an allem. Hunger und Krankheiten fordern weitere Opfer. Wegen des verschmutzen Wassers, das die Menschen trinken, befürchtet die Hilfsorganisation “Ärzte ohne Grenzen” in Pakistan das Ausbrechen einer Cholera. Erste Verdachtsfälle wurden bereits gemeldet. Haut- und Atemwegserkrankungen sowie Durchfall sind derzeit weit verbreitet.

Die Notunterkünfte, die in Pakistan eingerichtet wurden, reichen bei Weitem nicht aus, um alle Betroffenen aufzunehmen. Viele der Familien sind schon zu Beginn der Flut geflohen und haben ihre Häuser verlassen, nicht alle konnten bei ihren Familienangehörigen unterkommen. Hunderttausende hausen in provisorischen Zelten. Diesen Menschen eine Bleibe zu schaffen, ist eine Aufgabe, die die Hilfskräfte in Pakistan an den Rand ihrer Grenzen bringt. Für 20 Millionen Obdachlose – zum Vergleich: Berlin hat 3,4 Millionen Einwohner, New York 8,2 und Moskau etwa 10 Millionen- baut man nicht mal eben eine Zeltstadt auf.

Es gibt Meldungen von ersten Kindern, die an Unterernährung gestorben sind. Um eine Hungersnot in Pakistan zu verhindern, sind schier unermessliche Mengen an Lebensmitteln notwendig. Es wird davon ausgegangen, dass allein acht Millionen Tonnen Getreide oder Reis täglich zur Verfügung stehen müssten, um die 20 Millionen Menschen zu versorgen. Die Preise für Lebensmittel werden steigen, wovon besonders die Armen betroffen wären. Die Versorgungslage in Pakistan ist kritisch und ohne Hilfe aus dem Ausland nicht in den Griff zu bekommen.

Die Menschen in Pakistan sind verzweifelt und fühlen sich im Stich gelassen. Viel zu wenig Hilfsgüter treffen im Moment ein. Die Mittel und Möglichkeiten der in Pakistan agierenden Hilfsorganisationen sind begrenzt. Besonders für die Kinder verschärft sich die Situation immer mehr.

Der Unmut und die Kritik unter den Betroffenen wachsen zunehmend an. Sie beklagen, dass die Regierungsvertreter von Pakistan nur dann Hilfspakete verteilen, wenn die Medien anwesend sind und die Pakete in die Menschen werfen, als seien sie Tiere.
Wassermassen und der Zusammenbuch der Infrastruktur verhindern zudem, dass die Hilfskräfte in alle betroffenen Gebiete von Pakistan vordringen können. Vorsichtigen Schätzungen zufolge konnten allein 5 Millionen der Opfer noch gar nicht erreicht werden. Auf den zerstörten Strassen bleiben die Hilfskonvois stecken. Die internationale Gemeinschaft ist mehr denn je gefragt. Auch für ein weniger armes Land als Pakistan wäre es unmöglich, diese Herausforderung allein und ohne fremde Hilfe zu meistern.

Die anhaltenden Überschwemmungen in Pakistan gehören zu den schwersten Naturkatastrophen, die das Land je erlebt hat. Aber erst wenn die Wassermassen wieder zurück gegangen sind, wird man das wahre Ausmaß der Katastrophe erkennen können. Schutt und totes Vieh muss beseitigt, Dörfer müssen wieder aufgebaut werden, um den Menschen eine Bleibe zu verschaffen. Häuser, Schulen und Krankenhäuser müssen neu errichtet, Straßen müssen wieder instand gesetzt werden. Nach derzeitigen Schätzungen sind etwa 20 Prozent der Anbauflächen des Landes Pakistan überschwemmt und die Ernte damit vernichtet. Felder müssen neu angelegt werden, damit die Nahrungsmittelversorgung aus eigener Kraft erfolgen kann und damit man die heimischen Märkte nicht kaputt macht. Auch die Trinkwasserversorgung wird in Pakistan, das auch in normalen Zeiten unter Wassermangeln leidet, auf lange Zeit ein Problem bleiben.
Millionen von Menschen brauchen eine neue Existenzgrundlage.
Hilfe braucht Pakistan also nicht nur in diesem Moment sehr schnell, sondern wird auch mittel- und langfristig Unterstützung benötigen.

Es wird Jahre dauern, bis die Folgen der Flut überwunden sein werden.

Beobachter befürchten, dass die Flut in Pakistan auch politische Folgen haben könnte. Das Land taumelt seit Jahren von einer Krise in die andere. Die Regierung hat ihren Kredit bei der Bevölkerung längst verspielt, sie gilt als korrupt und wenig fähig, die Probleme des Landes zu lösen. Zudem hat auch der Präsident Asif Ali Zardari, der bei der Bevölkerung wenig beliebt ist, kein glückliches Händchen bewiesen, als er zu der Zeit, als sein Land in den Fluten zu versinken begann, eine Europareise unternahm und sie trotz bedrohlicher Nachrichten aus Pakistan nicht abgebrochen hat. Erste Ansätze einer politischen Kontrolle über Bürokratie und Militär könnten im Schlamm versickern. Das Militär wittert seine Chance, das weniger an einer direkten Machtübernahme interessiert scheint, als an der Rolle der grauen Eminenz, die im Hintergrund die Fäden zieht. Die Angst, die Taliban könnte die chaotischen Zustände im Land für sich ausnutzen, wächst im Westen zunehmend. Auch wenn der Terrororganisation wahrscheinlich die Mittel fehlen würden, um das Land wirklich aus der Krise führen zu können, sollten diese Aspekte nicht aus den Augen verloren werden. Immerhin handelt es sich bei Pakistan um eine Atommacht.

Welche sozialen und gesundheitlichen Folgen die Flut auf lange Sicht bei den Menschen hinterlässt, ist ebenfalls noch nicht abzuschätzen. Angst, Verlust und Hilflosigkeit gehören zu den traumatischen Erfahrungen von Naturkatastrophen. Besonders für Kinder sind sie nur schwer zu überwinden. Viele Menschen begleiten die Traumata über lange Zeit ihres Lebens, manche werden sie nie wieder los.

Darum fordere ich Sie hiermit auf, bitte spenden Sie für die Flutopfer in Pakistan. Auch kleine Beträge können in Summe vieles bewirken und Leben retten!

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